Um mal wieder etwas Natur zu erleben, haben wir diesmal abseits der ueblichen Touri-Strecken unser Glueck gesucht. Das hat sich oft als schwieriger aber auch abendteuerlicher und spannender herausgestellt, als sonst. Schon auf der Hinfahrt haben wir bemerkt, dass nur Quechua im Bus sassen und keine Touris ausser uns, auch keine argentinischen. Der Bus ging dann 15km vorm Ziel kaputt, zufaellig konnte uns aber in vorbeikommender anderer direkt mitnehmen, das war pures Glueck! In dem Doerfchen angekommen, wurden wir regelrecht angestarrt, auch in jedem Geschaeft angesprochen, woher wir kommen. Das fanden wir am Anfang etwas befremdlich, aber sie sind einfach neugierig und interessiert. Das erste Mal in meinem Leben, dass ich als "grosse blonde Frau mit hellen Augen" bezeichnet werde, seeehr lustig wenn man bedenkt, was fuer ein Zwerg ich in Deutschland bin und dass meine Augen nur nicht schwarz sind :-)
Ein Einheimischer im Bus hatte uns ein billiges Hotel empfohlen, denn die Unterkuenfte sind wohl sehr teuer in den Orten wo kaum Touris hinkommen. Eine andere Frau hat uns einen Plan des Dorfes gezeichnet und so haben wir uns im Hotel "Carioca" einquartiert, was wir anfangs schon befremdlich fanden, denn es hatte 3 riesige Stockwerke mit lauter leeren Zimmern, insgesamt alles total verfallen und zugig und vorallem ueberall feuchte Flecken und Schimmel. Aber wir dachten, fuer 1,2 Naechte geht das schon und im Endeffekt war es auch ok, nur das Duschen im Klo war eklig. Der Standard war insgesamt viel niedriger als in allen Hostels, in denen wir bisher waren, obwohl es sich Hotel nannte! Der spanischsprachige Abend auf der Terasse war sehr amuesant und wir hatten leckeres frisches Brot, Oliven, Kaese und Rotwein gekauft. Morgens mussten wir sehr frueh raus, um mit dem lokalen Arbeiterbus zum Parkeingang fahren zu koennen, hatten uns dann auch noch in der Zeit geirrt, haben das Fruehstueck schnell eingepackt fuer spaeter und sind losgerannt. Die Busfahrt war schon ein erlebnis, ein uralter klappriger Kleinbus, vollgestopft mit Leuten und vorallem Waren...bis unter die Decke, die Gardinenstangen hingen voller Baguetttueten, saeckeweise Nuesse und Kartoffeln aufs Dach geschnallt und selbst im Fach beim Fahrer alles voller Essen. Ein Kaeseverkaeufer hat die ganze Zeit seinen Kaese angepriesen und alle probieren udn fuehlen(!!) lassen. D.h. dass den Aufschnitt schon einige Leute durchgeblaettert hatten, uaaah! Am Parkeingang war dann erstmal weit und breit niemand zu sehen, waehrend dem Fruehstueck kam dann ein verschlafener Ranger aus seiner Huette gekrochen und hat uns erklaert dass es gerade keine Gias gibt, aber wir ja mal loswandern koennen. Das war auch wunderbar, der Nebelwald total beeindruckend in seiner Vielfalt - Flora und Fauna sind einfach wahnsinn! Es hat die erste Haelfte des Tages geregnet, was das Flair erst richtig ausgemacht hat, das Troepfeln und Vogelgesang im Dickicht...Ueberall Lianen und 1000 verschiedene Baeume mit merkwuerdigen Schmarotzern, gleich am Anfang haben wir ein merkwuerdiges Tier gesichtet, von dem wir dachten es waere ein Tapir, er war aber viel zu klein. Im Endeffekt hatrten wir den ganzen tag Zeit zu wandern und haben fast alle vorhandenen Wege abgeklappert. Einmal haben wir auch ein paar Maenner getroffen, die mit ihrer Machete gegen den Wildwuchs gekaempft haben, diese an Steinen geschliffen haben und natuerlich alle die unvermeidbare dicke Kokabacke hatten. Am Ende haben wir noch nach einem Dorf gesucht, was auf der Karte eingezeichnet war, dieses hat sich aber Schild mit Hoehenangabe herausgestellt, wozu der Name, weiss man nicht :-) Auf dem Rueckweg hatten wir beschlossen, den Weg am Fluss zu nehmen, was sich aber zu einem richtigen Abendteuer ausgewachsen hat, denn der Fluss hatte sehr viel Wasser und daher oft schwer zu passieren, wir mussten mehrmals gefaehrliche Aktionen starten, uns an Baeumen rueberhangeln, umgekippte Baeume rueberlegen oder auf den nassen Steinen springen, immer mit den wertvollen Rucksaecken auf dem Ruecken. Jedenfalls haben wir bemerkt, dass es schon ganz schoen spaet war und wir uns beeilen muessen um noch den Bus abzupassen, der nur einmal am Tag faehrt. Wir sind also ueber Stock und Stein gewetzt und haben nur schnell die vielen Tierspuren fotographieren koennen, um sie zuhause nachzuschauen. Es muessten Puma, Tapire und Fuechse gewesen sein - da auf den Schildern aber ueberall vor Jaguaren gewarnt wurde, war uns in dem Moment doch nicht ganz so wohl, vorallem weil es immer dunkler wurde....schlussendlich haben wir einen bekannten Pfad gefunden, der direkt hoch auf die Strasse fuehren musste und sind diesen hochgerannt. Da er sehr steil und lang war war das die Hoechstleistung des Tages! Man, waren wir froh, als wir auf der Strasse waren, denn dann haetten wir den Bus auch anhalten koennen. Wir haben es sogar noch puenktlich bis runter zum Eingang geschafft, dort konnten uns dann Ranger bis fast nach Ledesma mitnehmen...so brauchten wir nichtmal mehr auf den (wohl nicht sehr zuverlaessigen) Bus warten und waren um einiges schneller - allerdings mit fast 100kmh auf diesem steinigen Weg...naja, das Adrenalin war schon aufgebraucht. Auf dem Heimweg wollten wir uns eigentlich nur kurz ueber die Weiterfahrt nach Humahuaca informieren, aber nachdem uns so von einem Bergdorf namens San Francisco mit heissen Quellen in der Naehe vorgeschwaermt wurde, haben wir uns entschieden, doch noch zu bleiben. Ich hatte die Nummer von einem Typen, der sowohl eine Unterkunft im Dorf hat, als auch Touren fuehrt, der kam dann auch gleich mit seiner Frau persoenlich in unserem Hotel vorbei um alles zu besprechen. Warum, haben wir bis jetzt nicht verstanden, denn im Prinzip hat er uns geraten, die Tour alleine zu machen, hat uns eine komplette Karte der Wege aufgezeichet und so ueberhaupt nichts verdient. Schlussendlich kam er naemlich sogar am naechsten Morgen noch am Bus vorbei, hat dem Fahrer erklaert wo er uns rauslassen soll (war mitten in der Pampa) und hat mir gesagt, dass wir in einem anderen Haus unterkommen koennen, er hatte wohl Leute drin. Naja, wir haben uns erstmal aus unseren nassen Klamotten geschaelt und ein bisschen ausgespannt, der Tag war super schoen, aber sehr anstrengend gewesen (10h Wanderung mit Endspurt). Ja, am naechsten Tag sind wir mit dem gleichen Bus weiter hoch in die Berge gefahren, um die Quellen zu suchen, die wohl fast 40 Grad haben und Naturpools bilden in denen man baden kann. Auf einem schlammigen Kuhpfad haben wir die Wandrung steil bergab begonnen, spaeter wurde es sandig-felsig und schliesslich haben wir dann auch die Fluesse und die Pool gesehen - allerdings von einer Klippe aus mit ca. 600m Hoehendifferenz! So ein Mist, wir hatten den falschen Weg erwischt, allerdings gab es keine anderen Alternativen, denn der Wald war durchzogen von Kuehtrampelpfaden und die haben oft einfach aufgehoert...wir haben uhns natuerlich ganz schoen geaergert, aber zeitlich waere es nicht mehr moeglich gewesen, nochmal so weit runter abzusteigen, wegen der Dunkelheit. Wir hatten eh schon 500m Aufstieg vor uns, bis zum Dorf sogar 600m Hoehendifferenz. Also sind wir mehr oder weniger direkt zurueckgestapft, haben noch ein paar Pfade ausprobiert, aber es war einfach unmoeglich ohne Gia diese Quellen zu finden. Es fing ausserdem an, dermassen zu schuetten, dass wir nur noch nachhause wollten. Sehr deprimierende Aktion, vorallem weil der Aufstieg natuerlich wieder viel anstrengender war! Naja, so haben wir dann oben an der Strasse ein runterfahrendes Auto angehalten - auf das Dorf hatten wir bei dem Wetter und unsicherer Unterkunft auch keine Lust mehr. Die Leute im Auto sind auch bis direkt nach Ledesma rein gefahren und waren super nett, ein Tierarzt und seine Gehilfin. Die kannten sich richtig gut mit allen Tieren aus und wussten die tollsten Geschihcten von den Wildtieren zu erzaehlen. Mir hat am besten die von einem kleinen Affen gefallen, den er mit der Flasche aufziehen musste wegen irgendeiner Krankheit und der dann auf seinem Kopf gewohnt hat und ihn immer gelaust und verstrubbelt hat - angeblich hat er sich kaum noch rausgetraut mit dem Affen auf dem Kopf :-)...
Am Terminal haben wir dann eine Fahrkarte nach Jujuy gekauft, bloederweise aber zu lange mit Klamotten wechseln gebraucht (wir waren klatschnass und bis an die Knie mit dem roten Lehm bedeckt). Der Bus war weg, aber es fuht zum Glueck eine Stunde spaeter ein anderer und die Fahrkarten haben sie uns auch umgetauscht. Der Typ der uns eigentlich unser Abendessen machen wollte, war auf einmal verschwunden und hat wahrscheinlich ueber dem laufenden Boxkampf seine Arbeit vergessen, jedenfalls hatten wir den totalen Frust am Ende des Tages. Der Busfahrer hat dann auch noch dauernd das Licht im Bus aus und angeknipst, immer wenn man gerade am eindoesen war...egal, wir haben dann in Jujuy gerde noch 2 Flyer mit Hostels aus der schliessenden Touri-Info entwenden koennen und haben ein gutes (Yokwahi) gefunden. Hier wurden wir dann auch gleich noch nett zum leckeren Huehnchen eingeladen und haben unsere nassen Sachen ausgebreitet. Nette Leute, saubere trockene Zimmer und heute einen Tag Zeit zum ausschlafen, Schuhe putzen und foehnen und Sachen ordnen...die Stadt ist haesslich, aber hat einen sehr interessanten Markt, der sich ueber ein paar Strassenbloecke hinzieht und wir haben die leckersten Empanadas aller Zeiten verspeist. Ausserdem musste ich mir eine neue Hose kaufen, denn meine herzallerliebste Lieblingsjeans hab ich anscheinend in dem Durcheinander verloren, sie war sehr nass und schwer und nur aussen an den Rucksack geschnallt...sehr traurig, aber die neue hat nur 50$ gekostet und ist auch schoen....Die Bilder koennen wir leider noch nicht hochladen, der PC hier ist zu alt. Morgen gehts wieder auf die Doerfer und in die Wildnis nach Humahuaca.....