Ich versuche heute mal, die letzten Wochen so kompakt wie moeglich zusammen zu fassen. Dabei werde ich nur auf die wichtigsten Dinge eingehen, sonst wird es einfach zu viel und nicht mehr lesenswert.
Von Santiago de Chile fuhren wir per Bus in die schoene Stadt La Serena. Die Region gehoert bereits zur Halbwueste und die Landschaft war bereits wuestenartig. Es soll nur wenige Tage im Jahr mit bedeckten Himmel geben, die wir aber wohl gerade erwischt haben. Dennoch hatte die Stadt, die in einer riesigen Bucht liegt, einen superschoenen langen Strand, ist aber eigentlich wegen seiner unglaublich grossen Anzahl an Kirchen bekannt (mehrere Dutzend). Unsere Unterkunft dort war guenstig und erstklassig: eigenes Zimmer mit Bad und TV und alles sehr neu. Hier konnten wir auch endlich wieder selber kochen. Am darauffolgenden Tag sind wir in das wenige Kilometer entfernte Fischerdoerfchen Cocimbo gefahren, welches sich durch sein ca. 80m hohes Betonkreuz auszeichnet, das zum Jahrtausendwechsel errichtet wurde und in dessen Arme man sogar per Fahrstuhl hochfahren kann. Da es aber neblig war, verzichteten wir darauf und besuchten stattdessen den ohnehin viel interessanteren Fischermarkt. Dort probierten wir ein paar kleine Fischsnaks wie eckelhaften kalten Fischsalat oder Empanadas mit Meeresfruechten oder Kraben mit Kaese. Wir haben dann noch gross dort eingekauft fuer eine Paella, unter anderen einen riesen Beutel voll frisch gefangener noch zapellender Garneleln.
Eineinhalb Stunden von La Serena entfernt liegt Vicuña im immergruenen Elqui-Tal, das unser naechstes Ziel war. Dieses Tal ist durch einen Fluss sehr fruchtbar, obwohl hinter den Bergen fast wuestenartige Verhaeltnisse herschen. Hier war auch keine Wolke mehr zu sehen. Die Gegend eigent sich besonders zum Anbau suessen Weines, aus dem das chilenische Nationalsgetraenk gewonnen wird: den Pisco (ein Traubenschnaps). Hier haben wir auch die groesste Bodega fuer Pisco besucht und eine sehr interessante Fuehrung bekommen. Eigentliches Beweggrund fuer den Ort war jedoch ein ausserhalb gelegenes Observatorium, zu dem wir einen gebuchten Ausflug unternahmen und Nachts die Planeten durch grosse Teleskope beobachten konnten.
Naechstes Ziel war San Pedro de Atacama. Da wir in La Serena leider keinen Bus dorthin bekamen, mussten wir mit Zwischenstops ueber Antofagasta und Calama fahren. Die Fahrt dauerte insgesamt ueber 20 Stunden und fuehrte uns an riesigen Kupferabbaustaetten vorbei direkt in die trockenste Wueste der Welt: die Atacama. San Pedro ist ein sehr kleiner Wuestenort, der eine Oase bildet, leider aber auch sehr touristisch gepraegt ist. Am naesten Tag mussten wir bereits kurz vor 3 Uhr aufstehen, um unsere erste Tour in die Wueste anzutreten. Es ging erstmal noch ein ganzes Stueck die Berge hoch (auf ueber 4000m, San Pedro liegt auf etwa 2300m), weshalb wir viel Wasser trinken mussten, um nicht hoehenkrank zu werden. Vor Sonnenaufgang kamen wir an einem riesigen Geysirfeld an, wo es ueberall blubberte und Fontaenen heissen Wassers in die Hoehe spritzten. Hier oben war es extrem kalt. Weiter ging es zu thermalen Quellen, in denen wir auch badeten (ca. 30 Grad Celcius). Zur Tour gehoerte noch die Besichtigung eines Indigena-Dorfes, wo es leckere Lamafleisch-Spiesse gab. Nachmittags kam auch schon die naechste Tour: naemlich in Mondtal (nach einigen anderen Aussichtspunkten und kurzen Wanderrungen). Bei Sonnenuntergang entstanden im Tal die verschiedensten Farbabstufungen - rot, blau, gruen, gelb, alles war dabei. Ich weiss nicht ob es auf den Bildern (die wir irgendwann mal hochladen werden) so rueberkommt, da der enorme Kontrast sicher nicht eingefangen werden konnte. An einem anderen Tag besichtigten wir (kurz) eine alte Indigena-Befestigungsanlage und das Bewaesserungssystem bzw. die gesamte Oase von einem sehr hoch gelegenen Aussichtspunkt in der Naehe des Dorfes. Spontan entschieden wir uns in San Pedro statt noch ein oder zwei Staedte weiter in den Norden Chiles vorzudrinken, direkt von San Pedro aus auf einen 3 Tages-Trip durch die Wueste nach Bolivien zu fahren.
Mit einem Bus wurden wir ein paar Stunden bis zu einen kleinen unscheinbaren bolivianischen Grenzposten auf ueber 4200m Hoehe gefahren, wo sich nach Erledigung der Grenzformalitaeten die Grupppen in die dort wartenden Gelaendewagen aufteilten (Grund: in Bolivien gibt es fast ausschliesslich verbleites Benzin, was es in Chile nicht gibt und deshalb an den Grenzen meist die Autos getauscht werden muessen). Jede Gruppe bestand aus 6 Personen, bei uns waren noch 2 junge Englaender, ein Ehepaar aus Spanien und natuerlicher unser bolivianischer Fuehrer bzw. Fahrer. Die rasante Fahrt ueber das Altiplano fuehrte uns vorbei an diversen wunderschoenen Lagunen, wie der Laguna Blanca (weiss), der Laguna verde (aendert in der Mittagssonne ploetzlich ihre Farbe von grau auf tuerkis-gruen) und die farbenpraechtige Laguna colarado mit ihren vielen rosanen Flamingos. An letztgenannter Laguna war auch unsere erste Unterkunft - schlicht, aber fuer bolivianische Verhaeltnisse recht gut und wir bekamen auch immer sehr gute Mahlzeiten. Am naechsten Tag passierten wir weitere Lagunen, bis unsere erste Panne passierte: mit einem lauten Knall platzte uns ein Reifen und das mitten in der Wueste. Die einzelnen Jeeps fuhren zum Teil mit grossen Abstandt zueinander und so mussten wir erstmal versuchen auf uns aufmerksam zu machen, bis uns ein vorbeifahrender entdeckte (worauf andere folgten bzw. umkehrten). Denn unser Problem war, dass zwar ein Ersatzreifen vorhanden, dieser jedoch ohne Luft war. Trotz anfaenglicher Vermutung, hatte die Achse keinen Schaden erlitten und nach einem komplizierten Reifenwechsel und spaeteren Nachregelung der Stossdaemper konnte es erstmal weitergehen. Zumindest solange bis wir nach einem Halt merkten, das die Batterie schlapp gemacht hatte - ab jetzt hiess es immer anschieben, was aber eigentlich kein Problem war. Trotz solcher Zwichenfaelle hat es unserer Tour keinerlei Abbruch getan, da wir schon so einiges gewoehnt waren und sowas auch nicht als stoerend empfinden (gehoert eben dazu und man rechnet immer mit Zwischenfaellen oder das mal was nicht so klappt - no problema). Nachdem wir auf fast ueber 5000m Hoehe waren (und nach dem Aufstehen dadurch ziemlich Kopfschmerzen) ging es wieder etwas tiefer, bis wir die Salar die Uyuni erreichten: einen gigantischen Salzsee. Anfangs stand noch einige Dutzend cm tief das Wasser, was fuer die Jeeps kein Problem war, dann war nur noch eine sich scheinbar unendlich erstreckende grell weiss spiegelnde Salzschicht vorhanden. Am Rand der Salar wurde auch uebernachtet und am naechsten Tag stand dann eine Insel auf dem Programm. Diese befand sich inmitten dieser Salzwueste und besass tausende Kakteen, die viele Meter hoch und zum Teil mehrere hundert Jahre alt waren. Auf der Weiterfahrt passierte die naechste Panne: kein Benzin mehr. Die Ersatzkanister waren leer und da wir das letzte Fahrzeug unserer Verbandes waren, kam auch erstmal kein weiteres vorbei (ist gab da ja auch keine eigentlichen Strassen, jeder Jeep vor etwas anders). Nach einiger Zeit konnten wir ein paar andere Wagen anhalten, von denen dann auch endlich einer noch Reserven hatte, mit denen wir nach kurzer Besichtigung des Salzhotels und eines Doerfchens, wo Salz (per Hand) abgebaut wurde, zur naechsten Tangstelle schafften. Endziel war das Dorf Uyuni, wo es aber nicht viel zu sehen gab. Das einzige was ich besichtigen war, war ein Friedhof fuer alte Zuege, der sich ausserhalb befand. Die Unterkuenfte in Bolivien sind natuerlich weniger modern und viel schlichter als beispielsweise in Chile (z. B. gibt es manchmal nur einmal am Tag warmes Wasser), aber dennoch angenehmer als erwartet, also auch meist sauber. Durch die Hoehe war es tagsueber zwar warm, nachts dagegen kuehlt es stark ab. Zudem muss man aufgrund der duenneren Atmosphaere aufpassen, keinen Sonnenbrand abzubekommen und man kommt eben schnell aus der Puste.
Nach einer abenteuerlichen Fahrt durch eine der schoensten Regionen Boliviens erreichten wir Podosí. Die Stadt war urspruenglich mal die groesste des gesamten amerikanischen Doppelkontinents, vergleichbar mit London oder Paris. Der Grund: riesige Silbervorkommen, die durch die Spanier (bzw. den unterworfenen Indios und Sklaven) damals dort abgebaut wurden. Auch heute noch arbeiten tausende Mineros in dem groessten Berg direkt vor der Stadt, dem Cerro Rico, auch wenn schon laengt keine nennenswerten Silberadern mehr vorhanden sind und sich auch auf andere vorkommende Metalle konzentriert wird. Die Stadt zeichnet daneben durch wirklich schoene Kolonialbauten aus und auch allgemein haben wir uns hier irgendwie wohl gefuehlt. Welche Exkursion liegt hier naeher als die Minen zu besichtigen was wir auch taten. Zugegebenermassen: in einer bolivianischen Mine, wo man zum Teil durch kleinste Loecher kriechen muss oder an Waenden hoch- bzw. runterhangeln muss und staendige Sprengungen vernimmt, fuehlt man sich nicht allzu sicher. Ausserhalb fuehrten wir auch selbst eine Sprenung mit Dynamit durch, das kurz vorher auf den Minenmarkt erstanden wurde (ohne Einschraenkung kann hier jeder Sprengstoffe fuer kaum ein paar Euro kaufen). Am naechsten Tag haben wir noch das Casa de Moneda, da wo die Silbermuenzen fuer die Spanier gepraegt wurden, besichtigt und sind abends noch mit dem Spaniern von der Atacama-Uyuni-Tour noch Essen gegangen.
Von Podosí sind wir weiter nach Sucre gefahren, der eigentlichen Hauptstadt Boliviens, auch wenn La Paz eine viel groessere Bedeutung. Die Stadt wird nicht umsonst La Ciudad Blanca genannt, da alle Gebauede weiss nicht. Viele dieser sind zudem noch kolonial und gut instand gehalten. Es ist uebrigens auch die hoechstgelegene Grossstadt der Welt, auch wenn wir das Klima dort als angenehem empfanden. Noch am gleichen Tag sind wir ueber Nacht weiter nach Cochabamba gefahren, wo wir (absichtlich) ein paar Stunden Aufenthalt fuer einen super schnellen Stadtrundgang hatten, bevor es direkt weiter nach La Paz ging.
Die groesste Stadt des Landes weisst extreme Hoehenunterschiede auf (oben auf ca. 4200m liegen die aermeren Viertel, waehrend die Reichen unten wohnen). Nach der ueblichen (hier natuerlich laengeren) Stadtbesichtigung, unternahmen wir unsere erste Tour: Mit einem Minibus die gefaehrlichste Strasse der Welt langfahren. Diese beginnt bei etwas ueber 5000m und geht dann in ca. 3 Std. ueber 3000m steil herunter und zwar an der Stelle, wo das Altiplano ins Beni-Becken abfaellt. Die Strasse ist nicht asphaltiert, an manchen Stellen kaum breiter als ein Auto und der Hang faellt seitlich senkrecht tausende Meter in die Tiefe. Man darf sich hier nicht von den unzaehligen Kreuzen am Strassenrand irritieren lassen. Die ganze Strecke ging in Serpentinen hinab bis nach Coroico, einer kleinen Stadt recht am Berg. Die Abfahrt war wirklich beeindruckend, da man innerhalb dieser drei Stunden mehere Vegetationszonen durchfaehrt, oben lang noch Schnee und Eis und in Coroico herschte tropischen Klima mit Palmen etc.
Von La Paz aus sind wir ueber 20 Stunden lang in einem Bus der super unbequem war, so dass wir kaum schlafen konnten und der wohl fuer einen guten Teil des weltweiten CO2-Austosses verantworlich ist (riesige schwarze Rauchwolken - weder sehen noch atmen war teilweise moeglich). Die kleine Stadt Rurrenabaque (ca. 6000 Einwohner) liegt auf nur noch 200m und schon halb im tropischen Urwald. Keine Sorge, wir haben rechtzeitig mit der Maleria-Prophylaxe begonnen und waren auch ansonsten gut auf die anderen Gefahren wir z. B. Dengue-Fieber oder irgendwelche Falter, die ihre Larven unter die Haut ansiedeln gewappnet. Nein, so hatten wir zumindest davor den Eindruck von dieser Region, aber laut Aussagen der Einheimischen, ist das ziemlich uebertrieben. So kommt Malaria hier praktisch nicht vor (kein Mensch nimmt da eine Prophylaxe), auch wenn die Region als Verbreitungsgebiet der Kategorie C gekennzeichnet ist (das ist die hoechste). Zur Sicherheit haben wir uns aber dennoch maximal geschuetzt. Da in der Selva (der eigentliche Urwald) kaum Tiere vorkommen, hatten wir uns fuer eine 3-Tages-Tour in die Pampa entschieden. Direkt nach unserer Ankunft, ging es 1 Std. spaeter los (wir werden im spontanen organisieren langsam immer schneller). Der Jeep hat uns mehrere Stunden abseits der Zivilisation gefahren und dann ging es weitere Stunden mit einem motorisierten Boetchen weiter. Diese Fahrt war unheimlich interessant, da wir hunderte Krodile (zum Teil die grossen Kaimare) und die verschiedensten Voegel sahen. Auch riesige Meerschweine und Flussdelphine. Unsere Unterkunft war ein auf Stelzen gebauter Holzbau, der gut mit Moskitonetzen geschuetzt war (fuer nachts hatte jedes Bett sogar ein eigene, welches das ganze Bett umspannte) - und dabei gab es eigentlich gar nicht so viele Moskitos, wie wir erwartet haben. Zu den Ausfluegen gehoerten Nachttouren, bei denen wir die mit roten Augen funkelnden Krokodile beobachteten und welche die zu Fuss unternommen wurden, um z. B. Anacondas zu suchen. Die Fische in dem engen, sich aber ewig erstreckendem Fluss befinden, haben ein geniales Schutzsystem nicht so schnell von den Krokodilen gefraessen zu werden, sie springen naemlich staendig ueber die Wasseroeberflaeche (dadurch landeten auch einige im Boot). Ein anderer Ausflug ging an eine leicht breitere Stelle des Flusses, wo sich Flussdelphine aufhielten. Dort bin ich dann schwimmen gegangen. Man muss sich vorstellen, da liegt ein Krokodil etwas ueber einen Meter von einem entfernt und man geht ins Wasser schwimmen, das auch noch braun trueb ist und man absolut nichts sehen kann was darin rumschwimmt. Ungelogen liegen an diesem Fluss alle paar Meter ein Krokodil am Ufer oder schwimmt im Wasser. Mir wurde aber versichert, mich nicht in Gefahr zu befinden, denn die Delphine wuerden die Menschen vor den Krokodilen schuetzen und mit ihren Schnauzen wegschubsen. Irgendwie hat mich das nicht so beruhigt. Zudem ist das Gewaesser voll von Pirannhas [keine Ahnung wie man das schreibt], die bei rotem Fleisch oder Blut gleich in Scharen da sind und nichts mehr uebrig lassen (wir haben naemlich auch Pirannhas mit rohen Fleisch geangelt). Gefaehrlich wurde es auch als unser Guia von einer fast 2m langen Cobra gebissen wurde, als er sie irgend einem Touri uebergeben wollte und der falls zugegriffen hatte. Zum Glueck waren es nur die vorderen Zaehne der Schlange und nicht die Giftzaehne, da das Gift der Cobra sehr schnell wirkt und natuerlich toetlich ist (im Camp gab es fuer solche Notfaelle Gegengifte). Super lustig waren die Scharen von kleinen Affen hinter unserer Behausung, die man mit Keksen aus ihren verstecken locken konnte und sie direkt aus der Hand genommen haben. Die Rueckfahrt in die Stadt am dritten Tag war Horror und dauerte ueber 8 Stunden, da es dort wohl geregnet hatte und selbst unser 4-Rad angetriebener Jeep einige Male stecken geblieben ist (ganz zu Schweigen davon wie viele andere wie abgeschleppt, angeschoben oder sonstwie geholfen haben). Und da die Hinfahrt so ueberaus unangenehm war, entschieden wir uns heute (!!! - ja ich bin endlich auf dem aktuellen Stand), einen Flug zurueck nach La Paz zu nehmen (fuer ca. 48 Euro / Person), da wir damit auch einen ganzen Tag Zeit einsparen koennen. So und im Moment sitze ich mit Christiane in der Naehe unseres Hostels im Internet Cafe und morgen geht es frueh weiter nach Copacabana am Titicaca-See.
Gruss Sascha
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